Abschluss

Wir sind dann mal weg… Geistlicher Ausklang zur Verabschiedung des Jahrgangs 10

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Seit einigen Jahren folgt die Verabschiedung unserer Abschlussklassen einem traditionellen Ablauf. Wir beginnen um 8.00 Uhr mit einer religiösen Aussendung, die dieses Jahr mit einer Laudes von Sr. Ancilla in unserer Kirche St. Michael durchgeführt wurde. Mit Psalmen und Segenssprüchen ausgestattet werden die Klassen dann jeweils in zwei Gruppen geteilt, von denen die eine einen Pilgergang die Pader entlang macht und die andere vier verschiedene geistige Workshops in der Schule besuchen. Am nächsten Tag tauschen die Gruppen ihre Aktivitäten.

Der Pilgergang beginnt an unserer Schule, doch sehr schnell wird an der ersten Station an der warmen Pader Halt gemacht, an der es um das Element Wasser geht. Ausgehend von der Taufe Jesu im Matthäus-Evangelium soll das Wasser von den Schülerinnen in seinem erfrischenden, nährenden, uns segnenden und verwandelnden Potential erfahren werden. Hierzu waten die Schülerinnen durch das seichte Wasser, berieseln sich gegenseitig damit, geben einen Schwall Wasser in ihren Händen im Kreis herum und fühlen sich in das plätschernde Nass ein.

Die nächste Wanderetappe dauert etwas länger und endet am Spielplatz am Padersee. Nach einer kurzen Erholungsphase beschäftigen sich die Schülerinnen auf der Basis der Bibelstelle aus dem Johannesevangelium „Jesus und die Ehebrecherin“ mit ihren „Steinen der Anklage“, ihren Vorurteilen, ihren Verurteilungen. Sie hinterfragen ihr Verhalten, indem sie sich einen echten Stein suchen, sich nacheinander in die Mitte des Gruppenkreises stellen und spielerisch erfahren, wie sich das Opfer der „Steinigung“, der Anklage, der Verurteilung fühlt. Im Anschluss daran lassen alle symbolisch ihren Stein der Anklage fallen, denn: „Wer von uns ist ohne Schuld?“ – Nachdem sie ihre Steine wieder aufgenommen haben, betrachten sie ihn ganz genau, fühlen ihn in ihrer Hand und laden ihn mit guten Wünschen und Gedanken auf. Mit einem Edding schreiben sie ein Stichwort zu ihrem Wunsch auf und geben ihn an eine ihrer Mitschülerinnen weiter. So wird aus dem „Stein der Anklage“ ein „Stein der Freude“.

An der dritten Station, an den Fischteichen, geht es wie in der Geschichte der Emmaus-Jünger um das Kreuz und die Auferstehung als Zeichen der Hoffnung, um Glauben und Vertrauen in sich selbst und in andere. 6 Jahre sind die Schülerin ihren Weg an der Realschule St. Michael gemeinsam gegangen, wieviel Vertrauen, wieviel Glauben aneinander, wieviel Gemeinsamkeit hat sich entwickelt?

In mehreren Übungen, bei denen sich die Schülerinnen gegenseitig blind führen, sich von ihren Mitschülerinnen tragen und hoch in die Luft heben/werfen lassen und sich rückwärts in die Arme einer Mitschülerin fallen lassen, erfahren sie, wie sehr sie in diesen Jahren zusammengewachsen sind und sich aufeinander verlassen können.

Nachdem die Schülerinnen, wie die Emmaus-Jünger am Abend mit Jesus, dann das Brot gebrochen und gemeinsam verzehrt haben, stärken sie sich bei einem Picknick für den Rückweg zur Schule.

Zurück auf dem Schulhof endet der Pilgergang mit damit, alles Schwere und Belastende im übertragenen Sinne von sich abzuschütteln, indem alle Gliedmaßen und der ganze Körper kräftig ausgeschüttelt werden. Sie machen sich noch einmal bewusst, dass nun ein Lebensabschnitt zu Ende geht, dass sie die Realschule St. Michael verlassen und neue, zum Teil ganz verschiedene Wege gehen. In diesem Bewusstsein geben sie sich abschließend in einem Moment der Stille gegenseitig den Reisesegen für ihre  große Reise des Lebens.

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Ich wünsche dir,           dass du arbeitest, als würdest du kein Geld brauchen,

                                   dass du liebst, als hätte dich noch nie jemand verletzt.

                                   dass du tanzt, als würde keiner hinschauen,

                                   dass du singst, als würde keiner zuhören,

                                   dass du lebst, als wäre das Paradies auf Erden.

                                                                                                              (Irischer Segenswunsch)

Der dritte Tag der Abschlusswoche ist der Klassentag, an dem die Klassen ein letztes Mal einen gemeinsamen Ausflug machen. In diesem Jahr traf sich die 10a in Benhausen zum gemeinsamen Spielen und Grillen und die 10b zu gemeinsamen Frühstücken und Bowlen.

Der vierte Tag ist traditionell der „Chaostag“ der 10. Klassen, an dem sie sich lautstark von ihrer Schulgemeinschaft verabschieden. Am Morgen verbarrikadieren und schmücken sie die Schule mit Bändern, Luftballons und Luftschlangen, um dann in der zweiten Stunde mit ihren Mitschülerinnen auf dem Schulhof zu feiern. Dabei gibt es witzige Spielchen mit Lehrer/innen und Schülerinnen, laute Musik und Tanz und am Ende immer wieder ein paar Tränen…

Am fünften Tag, dem Freitag, findet die offizielle Abschlussfeier unserer Schule statt. Die Feierlichkeiten beginnen mit der Hl. Messe in der Michaelskirche. Im Anschluss daran findet in der Aula die Übergabe der Zeugnisse  im Rahmen eines feierlichen Festaktes statt.

Frau Oppenhoff verabschiedete die Schülerinnen dieses Jahr unter dem Motto: „Der Lehrer ist kein Zauberkünstler, sondern ein Gärtner. Er kann euch hegen und pflegen. Wachsen müsst ihr selbst.“ (Erich Kästner), indem sie die Schülerinnen und ihre Zeit in der Realschule St. Michael mit unterschiedlichen Blumen in einem gepflegten Garten verglich und ihnen zum Abschluss weiterhin gute Gärtner, guten Boden, auf dem sie gedeihen können, wünschte, und dass sie auch in ihrem weiteren Leben Früchte bringen und Verantwortung übernehmen. Der Lehrerchor unterstütze die Rede mit einem passenden „Flower Medley“.

Im Anschluss daran richteten die Klassenpflegschaftsvorsitzenden der beiden Abschlussklassen, Frau Disselnmeyer (10a) und Frau Töpfer (10b), sowie die Klassenvertreterinnen Annika Driller (10a) und Anna Brautmeier (10b) ihre Abschiedsworte an die versammelten Schülerinnen, Eltern und Lehrer.

(Die vollständigen Reden können in den kommenden Paderquellen nachgelesen werden.)

Untermalt wurden die Veranstaltung durch musikalische, tänzerische und schauspielerische Beiträge von Schülerinnen der unteren Klassen:

Der Jahrgang 8 sang „Au revoir“ von Mark Forster feat. Sido, Angelika Brumm spielte „Nuvole Bianche“ von Ludovico Einaudi am Klavier, Laura Rubarth und Xenia Strümpfler präsentierten Akrobatik zu Carmina Buranas „Oh Fortuna“, die 9b führte eine Szene aus dem Leben Pierre Fouriers als Schattenspiel   auf, der Französischkurs 7 tanzte „Französische Erinnerungen“ und ein Trio aus der 8b präsentierte Hip Hop vom Feinsten.

Nachdem Herbert Kampherm vom Förderverein der Schulen St. Michael die 6 besten Schülerinnen des Jahrgangs mit Notendurchschnitte von 1,8 bis 2,1 geehrt hatte, überreichten die Klassenlehrer der beiden Abschlussklassen Frau Reinstadler und Frau Jung (10a) und Frau Ernst und Sr. Ancilla (10b) den Schülerinnen ihre Zeugnisse.

Nachdem sich die beiden Klassen mit ihrem z. T. umgedichteten Abschlusslied „Auf uns“ (Andreas Bourani) und dem blumenreiche Dank an ihre Lehrer ihrerseits von der Schulgemeinschaft verabschiedet hatten, endete die Veranstaltung mit einem Sektempfang in der Glashalle.

Am Samstagabend feierten die Schülerinnen auf dem von Eltern und Schülerinnen organisierten Abschlussball festlich gekleidet ihren erfolgreichen Abschluss gemeinsam mit ihren Eltern und einigen Lehrern bis in die frühen Morgenstunden.

                                                                                                                                                             Text und Fotos: K. Reinstadler