Spendenaktion der R9a

Die Botschaft kommt an!

Spendenaktion der Klasse R 9a

 

 

„St. Michael bewegt!“ – unter dieses Motto hatte die Realschule St. Michael in Paderborn ihr diesjähriges Patronatsfest gestellt und die Schülerinnen zu zahlreichen Aktionen aufgerufen, deren finanzielle Erlöse caritativen Zwecken oder Klimaschutzprojekten zur Verfügung gestellt wurden.

Die Schülerinnen der Klasse R 9a beteiligten sich an diesem Tag mit einem Sponsorenlauf. Im Politik- und Religionsunterricht ihrer Klassenlehrerin Ulrike Rohe, deren Familie seit fast 40 Jahren in Burbach/Siegerland lebt, hatten die Schülerinnen über die Flüchtlingsproblematik diskutiert und von dem Leid und der Not der Asylsuchenden im Flüchtlingsheim in Burbach erfahren. „Da wollen wir helfen!“ war die einhellige Meinung und so sammelten sie durch den Sponsorenlauf 1105,00 € sowie Winterkleidung, warme Decken, Schuhe, Koffer oder Spielsachen. Mit großer Freude überreichten sie die Spenden dann Pastor Jochen Wahl und Peter Ginsberg, die eigens aus dem Siegerland nach Paderborn gekommen waren.

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Lara und Rebecca überreichen Jochen Wahl und Peter Ginsberg die Sponsorengelder

Im Unterricht berichteten die beiden ehrenamtlich im Flüchtlingsheim Burbach engagierten Männer über die dort z.T. unerträglichen Zustände, aber auch über viele Zeichen der Hoffnung und des herzlichen Miteinanders.

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Mit viel Engagement und großer Freude berichten Peter Ginsberg und Jochen Wahl (v.l.n.r.) von ihrer Arbeit im Flüchtlingsheim in Burbach.

 

 

 

 

Eigentlich war das Burbacher Flüchtlingsheim zunächst für maximal 400 Asylsuchende gedacht, daraus wurden dann schnell 800 mit all den Folgen, die die daraus resultierende Enge mit sich bringt. Eine Masernepidemie sowie die Misshandlung Asylsuchender durch einzelne Wachleute belasteten das Klima im Flüchtlingsheim überdies.

Aber Wahl und Ginsberg wussten auch zu erzählen, wie Menschen, die sich fremd sind, zueinander finden. Etwa in den Sonntagsgottesdiensten der evangelischen Gemeinde, die oft von den Gesängen und Tänzen der Flüchtlinge bereichert werden. Oder wenn Burbacher Bürgerinnen und Bürger nach den Gottesdiensten Flüchtlinge zum Essen einladen.

Inzwischen habe man auf dem Gelände des Flüchtlingsheim sowohl einen Gebetsraum für Muslime wie auch einen christlichen Gebetsraum eingerichtet. Das Spannende: Das Freitagsgebet der Muslime sei stets gut besucht, die Gebetszeiten der Christen noch besser und dies auch von Muslimen! „Die Botschaft kommt an!“, so Peter Ginsberg. Langsam, aber stetig breche das Eis zwischen den Flüchtlingen über deren Religionsgrenzen hinweg ebenso wie zwischen den Einheimischen und den Asylsuchenden.

Auch so manches Vorurteil gegenüber den Fremden konnte inzwischen ausgehebelt werden. So berichtete Ginsberg, der bis zu seiner Pensionierung als Kripobeamter tätig war, z.B., dass es selbstverständlich auch schon vor der Inbetriebnahme des Flüchtlingsheims zu Ladendiebstählen im Ort gekommen sei, diese aber wenig beachtet und nur selten zur Anzeige gebracht worden seien. Inzwischen aber hätten viele Ladenbesitzer Detektive angestellt und seither würden Ladendiebstähle überhaupt erst verfolgt werden mit dem Ergebnis, dass die Diebe durchaus nicht immer im Flüchtlingsheim zu suchen seien.

Fremdenfeindlichkeit hat ihren Ursprung auch oft in Missverständnissen, bedingt durch die vielen unterschiedlichen Kulturen, die in Burbach aufeinander treffen. Hier hilft oft, wenn die Flüchtlinge in der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes in Burbach (meist kaum länger als 14 Tage) wenigstens ein paar Brocken Deutsch und ein wenig von der deutschen Kultur erlernen können. Dazu hat man inzwischen mithilfe der Spenden zahlreicher Bürgerinnen und Bürger Deutschkurse eingerichtet, die von den Flüchtlingen dankbar in Anspruch genommen werden, ebenso wie eine Kinderbetreuung.

Dankbar sind die meisten Flüchtlinge auch für viele Sachspenden. Wer etwa aus warmen Ländern fliehen musste und nur mit T-Shirt und Flipflops bekleidet ins kühle Siegerland kommt, der ist froh, wenn er einen warmen Mantel und gute Schuhe erhält.

Ganz still wurde es im Klassenraum als Pastor Wahl von einzelnen Schicksalen erzählte, etwa einem Mann, dessen Frau und Kinder im Mittelmeer vor seinen Augen ertranken als das völlig überfüllte Boot kenterte. Oder von einer syrischen Frau mit ihren vier Kindern, die wegen ihres christlichen Glaubens fliehen und ihren Mann in der umkämpften Stadt Aleppo zurücklassen musste, weil das Geld für die Flucht nicht ausreichte. Heute weiß sie nicht, ob ihr Mann überhaupt noch lebt.

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                            Die Schülerinnen der R 9a freuten sich zusammen mit ihrer Klassenlehrerin über den Besuch aus dem Siegerland

Gefragt nach ihrer Motivation für ihre Arbeit im Flüchtlingsheim antworteten Wahl und Ginsberg mit einem Zitat aus dem Matthäus-Evangelium: Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Diese Botschaft kommt an, bei den Flüchtlingen ebenso wie bei den Schülerinnen der R 9a. „Ich bin froh, dass wir uns für dieses Projekt entschieden haben und hoffe, dass sich die Flüchtlinge bei uns in Deutschland herzlich aufgenommen fühlen.“, so Alexa. Und Steliana resümierte: „Dass Muslime zusammen mit Christen Gottesdienst feiern, finde ich super und es zeigt, dass die verschiedenen Religionen miteinander leben können ohne Streit oder gar Krieg.“ Nachdenklich gab Laura zu bedenken: „Als ich von den Schicksalen der Flüchtlinge hörte, musste ich weinen. Ich kann nicht verstehen, dass es immer noch Menschen in unserem Land gibt, die diese armen und Hilfe suchenden Menschen nicht willkommen heißen wollen.“

                                                                                                                                                                                                       U. Rohe